Kurze Geschichte der Freimaurerei in Aschaffenburg

Die Anfänge

Wann die ersten freimaurerischen Logenarbeiten in Aschaffenburg stattfanden, ist nicht überliefert. Wir wissen aber, dass es bereits im 18. Jahrhundert auch am Kurmainzer Untermain freimaurerische Aktivitäten gab. Zeugnis darüber liefert ein im Würzburger Staatsarchiv befindlicher „Erlaß der Kanzlei des Mainzer Kurfürsten" vom 9. Februar 1745. In einem Schreiben an den Statthalter von Aschaffenburg wird über die Arbeit der Logen geklagt.

Dafür, dass es in Aschaffenburg bereits im 18. Jahrhundert Freimaurer gab, spricht auch die Tatsache, dass sowohl der Erzbischof von Mainz, Friedrich Karl von Erthal (1719-1802), der Freimaurerei nahe stand, als auch sein Nachfolger, der Erzkanzler und Erzprimas von Deutschland, Karl Theodor von Dalberg (1744-1817), nachweislich Freimaurer war.

Wie exakt die Aktivitäten im 18. Jahrhundert in Aschaffenburg aussahen, lässt sich nicht mehr nachweisen.

Als im Jahre 1792 die französischen Revolutionstruppen in kurfürstlichen Hauptstadt Mainz einzogen, flohen zahlreiche Bewohner vom Rhein an den Untermain. Mit den Emigranten kamen auch viele Logenmitglieder, aus der seit 1789 in Mainz bestehenden Loge „Friedrich Carl Joseph zum Goldenen Rad am Rhein", nach Aschaffenburg.

In Folge der französischen Besatzung ruhte die Arbeit dieser Loge seit 1792. Am 25. Juli 1804 kam es zur Wiederaufnahme und „Lichteinbringung" als Loge „Friedrich Carl Joseph zum Goldenen Rade" (wie es damals hieß) am Morgen von Aschaffenburg.

Es sind gedruckte Verzeichnisse aus dem Jahre 1810 und 1812 erhalten geblieben. 1812 besaß die Loge demnach 36 Mitglieder. Der gewählte Vorsitzende oder „Meister vom Stuhl" war der Directoral-Rath und Salinen-Commissarius Franz Bauer.

1810 wurde dann von „abtrünnigen" Logenbrüdern eine zweite Loge mit dem Namen „Carl und Eugen Napoleon zur festen Vereinigung" in Aschaffenburg gegründet. Am 10. April 1810 erhielt sie ihr Konstitutionspatent. Auch von dieser Loge haben sich Verzeichnisse erhalten. Meister vom Stuhl war im Jahre 1812 der Direktor des Oberlandesgerichts A. Wagner.

Die Loge gehörte nicht der Großloge von England an, besaß also kein Londoner Patent, wie die „Loge vom Goldenen Rade", sondern war der „Großen Loge von Westfalen" in Kassel unterstellt. Diese Großloge war im Jahre 1807 nach dem Tilsiter Frieden im Königreich Westfalen, das aus hessischen, preußischen, hannoverschen und braunschweigischen Landesteilen geschaffen worden war, entstanden. König des Staats war Napoleons Bruder Jérôme.

Demnach versammelten sich in dieser Loge vornehmlich Anhänger Napoleons.

Die öffentliche Meinung gegenüber Napoleon in Deutschland wie auch in Aschaffenburg war damals äußerst gespalten. Anfangs gab es, in Bayern und in anderen Teilen Süddeutschlands, eine klare antiösterreichische und profranzösische Stimmung. Die eingeleiteten Neuordnungen stießen auf breite Zustimmung. Die spätere Aushebung von Soldaten, der Steuerdruck und die Kontinentalsperre, Gewaltmaßnahmen der Polizei und der Besatzung sowie die Härte des bürokratischen Zugriffs ließen die Unzufriedenheit mit der französischen Herrschaft jedoch ab 1812 stark anwachsen.

Für die einen war Napoleon ein Weltgeist und Bändiger der Revolution, für die anderen ein Despot.

Zur gleichen Zeit existierten die zwei oben dargestellten unterschiedlichen Logen in Aschaffenburg. Größer konnten die Gegensätze kaum sein. Da wurde im Jahre 1812 der so genannte Code Napoléon im Fürstentum Frankfurt und damit auch in Aschaffenburg eingeführt.

Zunächst teilte man den Logen mit, dass alle Vereinigungen mit mehr als 20 Mitgliedern ohne Genehmigung der Regierung nach Artikel 291 des „französisch peinlichen Gesetzbuches" von nun an verboten seien.

Dann gestattete Großherzog Carl, wie erwähnt selbst Freimaurer und Begründer der Loge „Johannes zur brüderlichen Liebe" in Worms den Aschaffenburger Logen jedoch, sich zu einer Vereinigung zusammenzuschleißen. Es ging Dalberg demnach nicht um die strikte Durchsetzung des Code Napoléon und damit die komplette Auflösung aller Logen in seinem neuen Herzogtum. Vielmehr wollte er die beiden konkurrierenden Vereinigungen in Aschaffenburg nicht dulden.

Da sich die Mitgleider der Loge, aus den oben genannten Gründen jedoch nicht entschleißen konnten wieder zu einer Loge zu fusionieren, wurde am 31. Mai 1812 das Ende der Freimaurerei im „Orient oder Morgen von Aschaffenburg" für über 100 Jahre besiegelt.

Irrsinniger Weise löste sich die „Große Loge von Westfalen", oder wie sie zuletzt hieß, „Große Mutterloge des Königreichs Westfalen i.O. Cassel" nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig und der Zerschlagung des Königsreichs Westfalen am 4. Dezember 1813 selbst auf. Damit wäre das Problem von selbst gelöst gewesen.

Erst im Jahre 1930 sollte es wieder zur Eröffnung einer Loge kommen: „Mithräum im neuen Licht" wurde am 13. Oktober diesen Jahres begründet. Die Loge gehörte der „Symbolischen Großloge von Deutschland" an, die ebenfalls erst im Juli 1930 gegründet wurde. Da sich die Loge aber durch ihren Ritus stark von der deutsche Freimaurerei unterschied, wurde sie niemals von den übrigen Großlogen anerkannt.

Bereits am 15. April 1933, also nach nicht einmal drei Jahren, ist diese Loge, über die wir kaum Nachrichten besitzen, wieder „erloschen".

Die Gründung der Post Nubila Phoebus

Erst nach dem letzten Krieg konnte sich die Freimaurerei in Deutschland wieder etablieren.

Bereits am 1. Oktober 1960 gründeten amerikanische Besatzungstruppen die Freimaurerloge „Spessart-Lodge No. 875" in Aschaffenburg. Im Jahre 1971 zog diese für kurze Zeit nach Hanau kehrte aber später wieder zurück. Die Loge besteht heute noch in Mainaschaff.

Auf Initiative des Bruders Oscar Schuy wurde im Dezember 1966 in Dettingen ein maurerischer Arbeitskreis gebildet. In den nächsten Monaten fand man weitere Maurer, die bereit waren an der Gründung einer „gerechten und vollkommenen Loge im Orient Aschaffenburg" teilzuhaben.

Besondere Unterstützung fand die Arbeitsgemeinschaft durch die genannte „Spessart Lodge No. 875" und „Ashlar-Lodge No. 894" aus dem Orient Hanau.

Am 30. Juni 1967 wurde die Arbeitsgemeinschaft dann aufgelöst und als eingetragener Verein „Johannis-Freimaurerloge Post Nubila Phoebus e.V." bei einem Eröffnungsbankett der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Name frei übersetzt „Nach der Dunkelheit das Licht" deutet auf die langjährige freimaurerische Abstinenz in Aschaffenburg hin.

Die Vereinigte Großloge von Deutschland trug den beantragten Namen mit der Matrikelnummer 900 in das Verzeichnis der Deutschen Freimaurerlogen ein und bestimmte den Beginn der rituellen Arbeit durch die Lichteinbringung und Stiftung am 19. November 1967.

Das Stiftungsfest und die Lichteinbringung fand in den Räumen des Aschaffenburger „Ratskeller" statt, und wurde von der Offenbacher Loge „Carl und Charlotte zur Treue No. 250" unterstützt. Zahlreiche Würdenträger und Brüder aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland nahmen an der Feierlichkeit teil. Zum erster Meister vom Stuhl wurde Gary H. Hiller gewählt, der sein Amt bis 1969 bekleidete.

Verschiedene Versuche, allein oder mit der befreundeten „Spessart-Lodge" eigene Räumlichkeiten für die Logen in der Stadt zu finden oder zu nutzen, scheiterten zunächst. Erst im Sommer 1972 wurde ein geeignetes Domizil in der Elisenstraße beim Hauptbahnhof angemietet. Es dauerte weitere 16 Jahre bis dann das eigene Logenheim in Mainaschaff (Hauptstraße) bezogen werden konnte.

© 2002 Post Nubila Phoebus Letzte Aktualisierung: 19. Febuar 2007